Allensbacher Seeprozession

 
Jeden ersten Sonntag im Juli, dem sogenannten Monatssonntag, findet die traditionelle Seeprozession der Allensbacher Pfarrgemeinde St. Nikolaus über den Gnadensee zur Klosterinsel Reichenau statt. Etwa um 1300 wurde in Allensbach eine kleine Kirche errichtet, die dem Heiligen Nikolaus, dem Patron der Seefahrer, geweiht wurde. Da aber Allensbach zum Kloster Reichenau gehörte, mussten die  Gläubigen trotzdem zum Besuch der Heiligen Messe in die Kirche St. Peter und Paul in Niederzell über den Gnadensee fahren. Im Jahre 1486 n.Chr. verfügte der damalige Abt Johannes vom Kloster Reichenau „das aus der Capell in unserer Stadt Allenspach eine eigene Pfarrkirche aufgerichtet wird“. Die Allensbacher Gläubigen mussten aber dennoch an den Zwölf-Apostel-Tagen und an den Herrenfesten weiter in die Niederzeller Kirche St. Peter und Paul fahren. Mitte des 19. Jahrhunderts schlief der Brauch ein. Seit 1974 aber findet in Erinnerung an diese Zugehörigkeit jeden ersten Sonntag im Juli die Seeprozession statt, allerdings nicht nach Niederzell sondern zum Münster St. Maria und Markus in Mittelzell. An diesem Monatssonntag wird im Reichenauer Münster auch die Heilig-Blut-Reliquie ausgesetzt und verehrt. Somit kommen der heutigen Seeprozession zweierlei Bedeutungen zu. Zum einen die Erinnerung an die Zugehörigkeit zu St. Peter und Paul und zum anderen die Verehrung des Blutes Christi.

Text: Katrin Wendt
Bilder: Marion Kaufhold und Hansfried Koch