Heilig-Blut-Fest 2020

 
 
Der Artikel aus dem Konradsblatt:
 

Das Heilig-Blut-Fest in Corona-Zeiten

Insel Reichenau, 08. Juni 2020

Am Montag nach dem Dreifaltigkeitssonntag feierte die Katholische Kirchengemeinde Reichenau, wie jedes Jahr ihren höchsten der drei Inselfeiertage, das Heilig-Blut-Fest. Verehrt und gefeiert wird das Blut Jesu. Im Jahre 925 wurde dem Kloster Reichenau ein byzantinisches Abtskreuz geschenkt, das blutgetränkte Erde von Golgatha enthält. Es soll sich um das Blut Jesu handeln. Dieses Kreuz enthält auch ein Holzsplitter des Kreuzes Jesu, sowie ein blutgetränktes Seidentüchlein mit dem Blut Jesu, das in der Plakette eingearbeitet ist.
Anfangs wurde das Fest am 07. November gefeiert, der Tag an dem die Reliquie dem Kloster geschenkt wurde. Im 30-jährigen Krieg wurde sie in Günterstal bei Freiburg in Sicherheit gebracht, im Jahre 1737 kam die Reliquie am Montag nach dem Dreifaltigkeitssonntag dann wieder auf die Reichenau zurück - Seither wird an diesem Tag das Heilig-Blut-Fest gefeiert.
Traditionell wird das Fest mit der Parade der Bürgerwehr begonnen, im Anschluss erfolgt die Festmesse unter Mitwirkung des Münsterchores und -orchesters. Im letzten Jahr war Kardinal Ladaria als Festprediger zu Gast. In einer feierlichen Prozession wurde dann die Reliquie über die Insel getragen.
In diesem Jahr war alles anders. Auf Grund der Corona-Maßnahmen musste auf Abstände und Höchstzahl der Gottesdienstbesucher Rücksicht genommen werden. Münsterchor und -orchester konnten ebenfalls wegen der Corona-Maßnahmen nicht musizieren. Die Prozession konnte nicht durchgeführt werden.

Aber die Menschen finden immer Lösungen. Das Wetter ließ es zu, dass wir die Messe im Klostergarten durchführen konnten. Aus der Erdskulptur, die das vergangene Kloster symbolisieren soll, wurde kurzerhand die Altar-Insel.

So erwuchs auf den Ruinen des alten Klosters eine neue Version des Heilig-Blut-Festes. Das Alte als Basis für das Neue.

Die Heilig-Blut-Reliquie wurde in einem großen roten Holzkreuz präsentiert (geschaffen von Lukas Hafner). Flankiert von einer Marienstatue. Auf der Wiese davor wurden in zwei Gruppen 99 Stühle, in ausreichend Abstand voneinander aufgestellt um der Sicherheit der Besucher gerecht zu werden. Damit so viele Gläubige wie möglich teilnehmen konnten, wurden am Vormittag drei Messen gefeiert. Zelebriert wurden die Gottesdienste von Pater Stephan Vorwerk OSB, Pater Dr. Stephanos Petzold OSB und Pater Dr. Hugo Eymann OSB. Musikalisch wunderschön begleitet wurden die Messen von drei Ehepaaren (Gesang), Alphornbläsern, Querflöte und Orgel. Die Mehrzahl der Gottesdienstbesucher fanden die neue Art der Feier des Heilig-Blut-Festes sehr schön, würdig und stimmungsvoll. Äußerten aber auch den Wunsch, im nächsten Jahr die Inselfeiertage wieder in der traditionellen Art feiern zu können.