Pilgern auf dem Ulrikaweg 2026
"Ulrikaweg" 29.08. - 03.09.2026
Ein Weg, der Grenzen aufzeigt – und gleichzeitig unglaublich öffnet
Die Jakobspilger der Gemeinde Reichenau machten sich auf den Weg der Seligen Ulrika von Hegne – eine Pilgerreise, die uns über viele Kilometer, durch wunderschöne Landschaften und vor allem zu vielen besonderen Begegnungen führte.
Am Münsterplatz in Reichenau-Mittelzell spendete uns Pater Stephan Vorwerk OSB den Pilgersegen. Anschließend machte sich eine stattliche Gruppe von 19 Pilgerinnen und Pilgern auf den Weg. Mit dem Bus ging es zunächst nach Unterstadion, dem Wohnort von Ulrika als Kind.
Dort wurden wir sehr herzlich von Dieter Schweikert-Skodda, dem Vorsitzenden des Freundeskreises Schwester Ulrika e. V., empfangen. Auf charmante und kurzweilige Weise führte er uns auf die Spuren der Seligen Ulrika und erzählte von ihrem Leben und Wirken.
Ein Satz von ihm blieb mir besonders im Gedächtnis:
„Sie machte nichts Besonderes. Sie begeisterte Menschen durch ihr Tun und ihre Lebensweise.“
Diese Worte sollten uns auf unserem gesamten Weg begleiten.
Auftakt am „Heiligen Berg Oberschwabens“
Unser geplanter Abstecher, abseits vom Ulrikaweg, führte uns zum Bussen, dem „Heiligen Berg Oberschwabens“. Bei herrlichem Wetter wanderten wir durch Wälder und Felder hinauf zum Bussen.
Am Fuß des Berges erwartete uns ein besonderer Impuls: Samuel Graf hatte einen Schöpfungsweg mit sieben Stationen vorbereitet. Gemeinsam gingen wir diesen Weg in Stille. Die Gedanken und Impulse berührten uns und sorgten für die ersten emotionalen Momente unserer Reise – und es sollten noch viele folgen.
Oben auf dem Bussen wurden wir von Pfarrer Uwe Grau zum Pilgerkaffee empfangen. Nach dem Bezug unserer einfachen Schlafplätze – Schlafsack und Isomatte inklusive – feierten wir gemeinsam einen Gottesdienst am Außenaltar.
Es sind gerade diese persönlichen Gottesdienste, die eine Pilgerreise so besonders machen: gemeinsam singen, beten und Gott für das danken, was ist.
Am Abend ging es zum Essen in den Adler nach Offingen. Bei Gesang, Gesprächen und einer fröhlichen Runde ließen wir den ersten Tag ausklingen.
Unterwegs mit besonderen Begegnungen
Am Sonntag machten wir uns nach dem Gottesdienst auf den Weg nach Steinhausen. Davor feierten wir mit Uwe unseren 2. Gottesdienst am Altar im Freien. Zum Hochzeitstag von Alexander und Nadin Weltin spendete Uwe einen besonderen Segen– ein wunderschöner und persönlicher Moment.
Nach einem teilweise beschwerlichen Weg mit vielen asphaltierten Straßen erreichten wir Steinhausen. Leider war die „schönste Dorfkirche der Welt“ verschlossen. Auch zwei unserer Mitpilger mussten die Reise an diesem Tag aufgrund körperlicher Beschwerden vorzeitig beenden.
Die letzten 6,5 Kilometer bis Bad Schussenried führten wieder über den Ulrikaweg. Die schöneren Wege entschädigten uns schnell für die vorherigen Strapazen.
Am nächsten Morgen starteten wir bei bestem Wetter in Richtung Kloster Sießen. Ein kräftiger Wind begleitete uns und erinnerte uns an das Element Luft, das Samuel bereits beim Schöpfungsweg thematisiert hatte.
An einer Waldlichtung hielten wir inne. Carolin Graf gestaltete einen Morgenimpuls zum Stillwerden.
Direkt vor uns stand ein Feldkreuz – und dahinter der Blick auf den Bussen.
Was für ein Zufall?
Vermutlich keiner.
Kloster Sießen – „Wer baut, der lebt“
Mittags machten wir Station in Lampertweiler. Zufällig wurden wir von der Mesnerin in der Dorfkapelle St. Valentin empfangen. Nach einem kurzen Mittagsgebet ging es weiter zum nahegelegenen „Drehers Erlebnishof“. Dort konnten wir vespern und wurden bestens mit Getränken und Kaffee versorgt.
Carmen und August Glönkler hatten den Hof bereits während unserer Wanderung mit dem Wohnmobil erkundet.
Gegen 16 Uhr erreichten wir das Kloster Sießen. Schwester Iris Rederer empfing uns zu einer ganz besonderen Klosterführung. Mit großer Begeisterung, vielen Geschichten und spürbarer Emotion führte sie uns an besondere Orte des Klosters.
Mit ihren 81 Jahren verkörperte sie für uns pure Lebensfreude.
Sie berichtete auch davon, dass der Konvent seit zwei Jahren kräftig umbaut und investiert. Trotz vieler Herausforderungen und entgegen mancher Trends unserer Zeit war von Untergangsstimmung keine Spur.
Ein Satz von ihr blieb besonders hängen:
„Wer baut, der lebt.“
Am Abend gingen wir noch in die Krypta unseres Quartiers, des Hauses Dominikus. Dort reflektierten wir gemeinsam die ersten Etappen.
Schon nach den ersten Wortbeiträgen wurde deutlich: Der eine oder die andere hatte bereits einiges an Alltagslast hinter sich gelassen. Trotz der körperlichen Anstrengung konnten viele neue Kraft und Hoffnung schöpfen.
Zwischen Muskelkater und neuen Perspektiven
Am nächsten Morgen fühlten wir uns fast wie neu geboren – wobei sich bei dem einen oder anderen inzwischen Muskelkater oder die ersten Blasen an den Füßen bemerkbar machten.
Unser Weg führte uns weiter nach Illmensee. Durch den Wald, vorbei an einer Lourdesgrotte, erreichten wir kurz vor der Mittagspause Hoßkirch und das kleine, wunderschöne Kirchlein „Mariä Geburt“.
Verena Graf erzählte uns dort vom Leben der heiligen Verena von Zurzach, deren Gedenktag am 1. September gefeiert wird. Gemeinsam beteten wir den „Engel des Herrn“ und wurden erneut daran erinnert, was uns auf unserem Weg trägt.
Am Nachmittag durchquerten wir das Naturreservat Pfrunger-Burgweiler Ried. Eine herrliche Landschaft, die zum Innehalten, Auftanken und Loslassen einlädt. Gerne hätten wir dort mehr Zeit verbracht – doch noch lagen einige Kilometer vor uns.
Um 18:25 Uhr erreichten wir schließlich völlig erschöpft den Seehof in Illmensee.
Die Wirtsleute, Familie Heigle, empfingen uns ganz entspannt. Wir konnten uns zunächst frischmachen und anschließend bei Speis und Trank neue Kräfte sammeln.
Eine besondere Überraschung erwartete uns ebenfalls: Der Bürgermeister von Illmensee, Michael Reichle, ließ uns herzlich grüßen und spendierte den Ulrikapilgern die erste Runde Getränke – Grüße aus seinem Urlaub in Österreich inklusive.
Der vorletzte Tag – und ein Blick auf den Bodensee
Schon war Mittwoch und damit der vorletzte Pilgertag angebrochen.
Zum Morgengebet versammelten wir uns in der Dorfkirche. Jutta und Ewald Eberle haben Morgenimpuls vorbereitet. "Ich sehe empor zu den Bergen" er lässt deine Füße niemals wanken…………….er herrscht über Raum und Zeit. Dieses Lied haben wir dann gemeinsam gesungen. Es gab noch einen besonderen musikalisch Rahmen mit Trompete und Tenorhorn. Ein Impuls, der uns auf die letzten beiden Tage einstimmte.
Bei Bilderbuchwetter machten wir uns auf den Weg nach Heiligenberg. Nach einem Aufstieg erreichten wir die Amalienhöhe auf 787 Metern.
Und dann war er wieder da:
Der erste Blick auf den Bodensee.
Natürlich musste dieser Moment fotografisch festgehalten werden.
Über Heiligenberg, Frickingen und Salem führte unser Weg schließlich zu unserem Nachtquartier, dem Landgasthof „Apfelblüte“.
Zuvor erreichten wir die Pfarrkirche Peter und Paul. Dort wartete bereits seit zwei Stunden Pfarrer Wilhelm Wahl auf uns. Er hatte für uns Christoph Wagener organisiert und feierte gemeinsam mit uns Eucharistie.
Nach einem langen und anstrengenden Tag gab uns dieser Gottesdienst noch einmal neue Kraft. Gemeinsames Singen und Beten ließ die Strapazen für einen Moment vergessen – auch wenn beim Aufstehen während des Gottesdienstes die körperlichen Blessuren nicht mehr zu übersehen waren.
Nach weiteren 850 Metern erreichten wir um 19:15 Uhr die „Apfelblüte“.
Das Abendessen wartete bereits auf uns. Und obwohl eine Erfrischung vor dem Essen sicher nicht geschadet hätte, tat dies der Stimmung keinen Abbruch.
Es wurde ein äußerst geselliger und fröhlicher Abend. Stella, die etwa achtjährige Tochter der Wirtsleute, hatte die Tische liebevoll eingedeckt und versorgte uns mit den ersten Getränken.
Das Ziel vor Augen
Donnerstag, 3. September – unser letzter Pilgertag.
Schnurstracks machten wir uns auf den Weg in Richtung Prälatenweg, um wieder auf den Ulrikaweg zu gelangen.
Übrigens: Die Beschilderung des Ulrikawegs ist hervorragend. Wir haben uns während der gesamten Reise kein einziges Mal verlaufen und blieben immer auf der richtigen Spur.
Unser erstes Ziel an diesem Tag war die Klosterkirche Birnau. Ein touristischer Ort, an dem viele Besucherinnen und Besucher sowie Pilger zusammenkommen – und an dem es deshalb nicht immer ganz still ist.
Wir setzten uns einfach in die Kirche und begannen zu singen.
Und plötzlich geschah etwas Besonderes.
Es wurde still.
Die Menschen hielten inne und die Kirchenbänke füllten sich mit Zuhörern. Offenbar waren nicht nur wir von diesem Moment ergriffen. Wir konnten ein kleines Stück unserer Freude und unserer Gemeinschaft an andere weitergeben.
Welch eine Freude!
Nach dem Stempel für unsere Pilgerausweise ging es weiter am Bodensee entlang bis nach Überlingen. Von dort setzten wir mit dem Schiff nach Wallhausen über.
Nun lag unser Ziel zum Greifen nah:
Das Grab der Seligen Ulrika im Kloster Hegne – nur noch acht Kilometer entfernt.
Über den Bodanrück wanderten wir mit einer ungebremsten Freude. Das Ziel war vor unseren Augen und die Vorfreude wurde mit jedem Schritt größer.
Ankommen
Pünktlich um 17 Uhr erreichten wir Hegne.
Unsere Familien und Pater Stephan erwarteten uns bereits zur Abschlussandacht.
In der Krypta, am Grab der Seligen Ulrika, beteten und sangen wir gemeinsam. Wir blickten zurück auf die vergangenen Tage, auf die vielen Begegnungen, die Gespräche, die Impulse, die Freude – aber auch auf die körperlichen Herausforderungen.
Es war ein emotionaler Abschluss mit tränen und lachen.
Und schließlich gingen wir beseelt nach Hause.
Ein Weg, der bleibt
Was bleibt nach fast einer Woche und vielen Kilometern zu Fuß?
Viele Begegnungen. Viele Geschichten. Viele Gedanken.
Aber vor allem eine andere Perspektive.
Eine Pilgerwanderung bringt Menschen heraus aus dem Alltag. Sie schafft Zeit zum Nachdenken, zum Zuhören und zum Loslassen. Sie zeigt, wie wenig man eigentlich braucht – und wie viel Kraft in Gemeinschaft, Glauben und einfachen Begegnungen steckt.
Für jeden, der sich schon einmal mit dem Gedanken an eine Pilgerreise beschäftigt hat, kann ich deshalb nur sagen:
Traut euch, den ersten Schritt zu machen.
Eine Pilgerwanderung verändert den Blick auf die Dinge – und vielleicht auch ein kleines Stück auf das eigene Leben.
Herzliche Einladung, sich selbst auf den Weg zu machen.
Matthias Graf
Insel Reichenau
Insel Reichenau
Die gelaufen km entsprechen aber nicht immer den offiziellen Stecken Etappen. Der Bussen und die Unterkünfte sind teilweise abseits des Ulrikawegs.
19,07 km Sa. 29.08.
28,47 km So. 30.08.
20,29 km Mo. 31.08.
27,89 km Di. 01.09.
27,67 km Mi. 02.09.
25,33 km Do. 03.09.
gesamt in 6 Tagen 148,72 km
Die Pilgerwanderung wurde durch das Bildungswerk der Erzdiözese Freiburg unterstützt.










